Die Presse, Datum:22.08.1998, Ressort:Wirtschaft


"Austron" beschlossen

Die Bundesregierung hat sich nach jahrelangen Diskussionen nun auf die Gründung des Neutronen-Zentrums Austron geeinigt.

Das Projekt Austron ist mit vier Mrd. S budgetiert, die von der Regierung, heimischen Firmen und ausländischen Partnern über mehrere Jahre hinweg aufgebracht werden sollen. Das gab Wissenschaftsminister Caspar Einem in Alpbach bekannt.
Das Großforschungsprojekt besteht im Kern aus einer Spallations-Neutronenquelle, mit der Neutronenstrahlen erzeugt werden. Solche Strahlen werden zur Erforschung von Festkörpern, Flüssigkeiten und biologischen Strukturen eingesetzt. Ähnlich wie Röntgenstrahlen werden die Neutronen zur Untersuchung der Struktur der Materie verwendet. Die Strahlen werden durch Protonen erzeugt, die auf Schwermetall-Platten geschossen werden. Dazu bedarf es einer 200 Meter langen Beschleunigungsanlage. Zum Vergleich: Im Genfer Forschungszentrum CERN erreicht der Beschleuniger einen Umfang von 27 Kilometern.
Wie Einem erklärte, soll Austron "im Raum Wiener Neustadt" - der südniederösterreichische und burgenländische Gebiete umfasse - errichtet werden. Peter Jankowitsch, der österreichische OECD-Botschafter, wurde mit der Sondierung europäischer Partner betraut. Diese sollen zwei Drittel der Investitionen aufbringen.
Die endgültige Entscheidung für Austron bedeutet das Aus für das Konkurrenz-Projekt Eurocryst, das in der Kristallforschung eingesetzt wird. Es hätte in Wien und Tirol angesiedelt werden sollen.