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Mittwoch, 17. März 1999, Seite 34 |
Medizin & Fitness |
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Standard:
Welche Fortschritte macht die Strahlentherapie gegen Krebs?
Pötter: Die Integration moderner bildgebender Verfahren ermöglicht heute sehr genaue Lokalisation der Tumore und dementsprechend optimale Treffsicherheit. Gehirntumore können wir etwa auf weniger als einen Millimeter genau lokalisieren und mit hochkonzentrierter Bestrahlung behandeln. Tumore lassen sich zwar makroskopisch mittels Chirurgie entfernen, aber die mikroskopische Ausdehnung im Tumorbett kann häufig schlecht erfaßt werden. Die Radiotherapie hat hier eine zunehmend große Bedeutung, denn sie kann bei einem Großteil der Tumore zur Inaktivierung verbliebener Tumorzellen im Operationsgebiet führen und somit Krankheitsrückfälle verhindern, etwa bei Darmtumoren und Brustkrebs.
STANDARD: Welche Schwierigkeiten treten bei der Radiotherapie noch immer auf?
Pötter: Es stellt sich immer die Frage der Strahlenempfindlichkeit des Tumors und seiner Lage zum gesunden Gewebe. Zwar lassen sich auch weniger empfindliche Tumore wie etwa Prostatakrebs durch Strahlentherapie gut und mit wenigen Nebenwirkungen kontrollieren. Trotzdem bleibt ein gewisser Prozentsatz, der einen Rückfall erleidet. In frühen Stadien der Erkrankung sind das etwa zehn Prozent, im fortgeschrittenen Stadium bis zu 30 Prozent.
STANDARD: Bestrahlungen mit Protonen oder Leichtionen werden als Therapie der Zukunft genannt. Welche Vorteile haben sie gegenüber herkömmlichen Strahlen?
Pötter: Die herkömmliche Radiotherapie arbeitet mit Röntgenstrahlen, die schwächer werden, je tiefer sie ins Gewebe eindringen. Damit wird auch das umliegende Gewebe in gewissem Maße in Mitleidenschaft gezogen. Der Protonenstrahl, wie er im geplanten Projekt Med-Austron eingesetzt werden soll, läßt sich hingegen durch Anpassung der Energie genau in seiner Reichweite steuern. Die Strahlung steigt bis zu diesem Punkt stetig an und sinkt dahinter rapide ab. Die Leichtionen sind darüber hinaus noch effektiver.
STANDARD: Wo sollen diese Strahlen eingesetzt werden?
Pötter: Vor allem zur Bekämpfung von Tumoren in der Nähe besonders empfindlicher Organe wie zum Beispiel Gehirn, Rückenmark, Augennerven, Lunge, Leber und Darm. (hu)