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Freitag, 28. November 1997, Seite 22 |
Wien Entscheidungshilfe für den Bau einer Großforschungseinrichtung in Österreich leistet die European Science Foundation (ESF): Sie argumentiert eindeutig für die Neutronen-Spallationsquelle Austron und gegen das Kristallzuchtlabor Euro-Cryst. Wissenschaftsminister Caspar Einem stellte die Ergebnisse des ESF-Gutachtens am Donnerstag in Wien vor.
Die ESF, eine Vereinigung von 62 nationalen Wissenschaftsfonds aus 21 Ländern, begründet ihre Entscheidung für Austron so: There is a window of opportunity. Das heißt, der Bedarf an hochentwickelten Neutronenquellen für Materialwissenschaften, Grundlagenforschung und Medizin in Europa sei groß. Daher könne mit substantieller Finanzbeteiligung der Nachbarländer gerechnet werden. Die geplante Dimension des Projekts sei adäquat, die Auswirkungen eines Centers of Excellence auf Österreich wären positiv. Man könne nicht argumentieren, das Geld würde besser in kleinere Forschungseinrichtungen investiert, da es diese Alternative derzeit nicht gebe.
Einzige Beanstandung der ESF: Es müßten große Anstrengungen unternommen werden, um dem Projekt Profil zu geben und es besser in das bestehende internationale Netzwerk von Neutronenquellen einzubinden.
Einem stellte klar, daß diese Arbeiten bis Herbst 1998 durchgeführt werden sollen. Bei der Finanzierung des mit rund drei Milliarden Schilling veranschlagten Projekts werde am Finanzierungsschlüssel ein Drittel national, zwei Drittel international festgehalten. Die Chancen auf Realisierung stünden gut.
Das Projekt Euro-Cryst findet die ESF an einem einzigen Standort zu zentral, zu groß, zu teuer für die grüne Wiese. Die Gutachter bezweifeln, daß es genug Kristallzuchtexperten gibt, die ihre Heimatbasis verlassen könnten, um auf Zeit bei Euro-Cryst zu arbeiten. (hk)
© 1997 DER STANDARD
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